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Pfungstädter Bad droht komplette Schließung am 31.5.2014

Erste Stellungnahme der DLRG

Als die Pfungstädter Lebensretter im Oktober 2013 beim Bootskorso gegen Bäderschließungen in Berlin teilnahmen, hätten sie sich nicht träumen lassen, dass sie einen knappen Monat später der gleichen Situation entgegensehen müssen, wie viele andere Ortsgruppen bundesweit. Doch was Harald Polster als erster Stadtrat und städtischer Verantwortlicher für das Bad am 12. November den Vereinen mitteilte lässt die DLRG Pfungstadt in eine ungewisse Zukunft schauen.

Bauwerk und technische Anlagen des Wellen- und Freibadbereichs sind im Pfungstädter Bad derart marode, dass eine Öffnung über den 31. Mai 2014 hinaus sowohl für den Hallen- als auch für den Freibadbereich nicht möglich ist. Über die Jahre hinweg haben sich an allen Ecken und Enden Probleme bemerkbar gemacht, die immer wieder nur provisorisch "geflickt" wurden. Jetzt würden sich die Sanierungskosten für einen Weiterbetrieb der Anlagen auf ca. 19 Millionen Euro summieren. Alleine gesetzliche Regelungen wie die neue Trinkwasserverordnung würden große Investitionen notwendig machen, um einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Diese Summe ist aus dem städtischen Haushalt nicht mehr zu finanzieren. Bereits in der Vergangenheit hatte die DLRG immer wieder davor gewarnt, dass es zu einer Situation kommen könnte, wo die Stadt selbst keine andere Möglichkeit mehr hat, als eine Schließung herbeizuführen.

Harald Polster und die SPD Pfungstadt schlagen aktuell ein Konzept vor, um das Bad komplett umzubauen und so von Grund auf, auf gesunde Füße zu stellen. Dazu gibt es mehrere Varianten, die alle den Bau einer neuen Schwimmhalle im Freibadbereich vorsehen. So soll ein insgesamt kleineres Bad entstehen, das aber noch die Grundversorgung für Vereine, Schulen, Kinder und Familien bietet. Dieser Umbau würde über 4 Jahre laufen. Während dieser Zeit wäre das jetzige Bad - ausgenommen der Sauna-Bereich - in jedem Fall geschlossen. Bisher gibt es für diesen Vorschlag aber keine Mehrheit in der Stadtverordneten-Versammlung. Einig ist man sich nur über das Ende des Bades in der jetzigen Form zum 31. Mai 2014.

Die DLRG Pfungstadt wird gemeinsam mit den anderen Vereinen aus Pfungstadt für ein Bad in neuer Form kämpfen. Ohne Schwimmbad in Pfungstadt wäre auch der DLRG die Grundlage für die weitere Arbeit entzogen. Das 75-jährige Ortsgruppen-Jubiläum, dass 2014 ansteht, wäre wohl definitiv die letzte Jubiläumsfeier. Denn ohne Schwimmkurse und Trainingsstunden kann die DLRG keinen Rettungsschwimmer-Nachwuchs generieren.

Die DLRG Pfungstadt warnt eindringlich davor, dass die Stadt ihre Fürsorgepflicht für die Bürgerinnen und Bürger verletzt, wenn eine ersatzlose Schließung des Bades vorgenommen wird. Die Daseinsvorsorge für künftige Generationen wird so gefährdet. Bereits heute lernen immer weniger Kinder in Deutschland schwimmen, weil die Gegebenheiten mit Bädern vor Ort und damit einem funktionierenden Vereinswesen und Schulsportunterricht nicht mehr gegeben sind.

"Die schwimmsporttreibenden Vereine in Pfungstadt können viele Kröten schlucken, zur Not auch die einer 4jährigen Umbauphase. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder auch schwierige Schritte, wie die Preiserhöhungen, mitgetragen, weil der Erhalt des Bades oberste Priorität hatte. Eine ersatzlose Schließung des Bades ohne Perspektive für den Schwimmsport in Pfungstadt, wäre der Todesstoß für die DLRG Ortsgruppe aber sicher auch für andere Vereine," so Bernd Spieß als erster Vorsitzender der Pfungstädter Lebensretter. Sein Stellvertreter Holger Heisel ergänzt: "Parallel wird ja auch der Ruf nach der Streichung der Vereins- und Sportförderung in einigen Parteien immer lauter. Diese Maßnahmen in Kombination: Ersatzlose Schließung des Bades und Streichung der Vereinsförderung würde die gesamte intakte aktive Vereinsstruktur in Pfungstadt in kurzer Zeit zerschlagen. Eine Sanierung des städtischen Haushalts kann nicht nur auf dem Rücken der Vereine ausgetragen werden. Sonst ist Pfungstadt künftig nicht mehr lebenswert."

Für eine Übergangszeit wäre es der DLRG Pfungstadt sicherlich möglich auf andere Bäder mit einem stark reduzierten Angebot auszuweichen. Dies kann aber keine Dauerlösung sein. Daher ist es für die DLRG jetzt so wichtig in die Zukunft zu schauen und eine tragfähige Lösung mitzuentwickeln. Aktuell kursierende persönliche Vorwürfe an aktuelle und ehemalige Verantwortliche für das Bad sowie sonstige Schuldzuweisungen und Vermischung mit anderen politischen Diskussionen innerhalb Pfungstadts helfen den Vereinen, Kindern und Badegästen nicht weiter.

Pfungstadt war mit dem Bau des ersten Hallenbades 1907 einst Vorreiter für das Schwimmen lernen. Der Gesamt-Verband DLRG wurde erst 6 Jahre später in Leipzig gegründet, weil in dieser Zeit über 5000 Menschen jährlich in Deutschland ertranken. Die Pfungstädter DLRG Ortsgruppe startete schließlich 1939. In der heutigen Zeit ermittelt die DLRG deutlich weniger als 500 Ertrinkungstote. In Zukunft könnte sich dieser Trend jedoch wieder umkehren, da immer mehr Bäder geschlossen werden.

Die DLRG Pfungstadt fordert daher alle politisch Verantwortlichen auf, einen Konsenz zu finden, mit dem ein Weiterbetrieb eines Bades nach einer entsprechenden Um-/Neubauphase möglich ist und die schwimmsporttreibenden Vereine in der Übergangszeit mit Mitteln aus der Vereins- und Sportförderung weiter zu unterstützen.

Weiterhin bittet die DLRG Pfungstadt die eigenen Mitglieder, Schwimmschüler und die Bevölkerung um Mithilfe, um weiterhin eine Schwimmmöglichkeit in Pfungstadt zu realisieren. "Es geht nicht um Großmannssucht oder unbezahlbare Prestigeobjekte sondern lediglich um eine Grund-Infrastruktur, die allen Kindern weiterhin ermöglicht das Schwimmen in Pfungstadt zu erlernen und die die Möglichkeit bietet eine intakte Vereinsstruktur innerhalb Pfungstadts zu erhalten," so Bernd Spieß.