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Warum die DLRG Pfungstadt den Dienst nicht übernimmt

Wache am Erlensee

Nach den Berichten in diversen Medien über die Wiederaufnahme eines Wasserrettungsdienstes am Erlensee durch die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), ließen die Reaktionen bei der DLRG Pfungstadt nicht lange auf sich warten: Anrufe, Nachfragen und E-Mails erreichten die Lebensretter. Warum die DLRG Pfungstadt den Dienst am Erlensee begrüßt, aber selbst nicht wieder übernommen hat, erfahrt Ihr hier.

DLRG musste 2006 auf Betreiben der Gemeinde und des Angelsportvereins Bickenbach den Dienst einstellen

Die DLRG Pfungstadt stellt nochmal klar, dass sie den Wasserrettungsdienst am Erlensee 2006 nicht aus freien Stücken aufgegeben hat, sondern von der Gemeinde Bickenbach auf Betreiben des Angelsportvereins "vor die Tür gesetzt" wurde. Der ASV beanspruchte Anfang 2006 plötzlich und unerwartet das gesamte Mehrzweckgebäude am See für sich; woraufhin die Gemeinde der DLRG Pfungstadt mitteilte, dass Ihre Räumlichkeiten für die Station am See nicht mehr zur Verfügung stehen. "Das war damals ein Schock", erinnert sich Bernd Spieß, Ortsgruppenleiter der Pfungstädter DLRG. "Aber, " - so Spieß weiter - "auch nach mehreren Gesprächen und Vor-Ort-Terminen blieb der damalige Bickenbacher Bürgermeister Günther Martini stur. So musste die DLRG den See letztlich verlassen."

Im Jahr 2006 bauten die Pfungstädter Rettungsschwimmer schließlich die Wasserrettungsstation samt Bootsrampe zurück und übergaben die Schlüssel der Räumlichkeiten wieder an die Gemeinde. "Schon 2006 haben wir uns intensive Gedanken zu einem Ersatz für den Wasserrettungsdienst am Erlensee gemacht und sind über diverse Kontakte mit der Eicher-See-Gemeinschaft ins Gespräch gekommen", erläutert Spieß das Vorgehen. Nach zahlreichen Vorbereitungen sei dann der ehrenamtliche Wochenend-Dienst am Eicher See 2008 aufgenommen worden.

Wasserrettungsstation am Eicher See sicherte Überleben der DLRG Ortsgruppe nach der Schwimmbadschließung in Pfungstadt und in der Corona-Krise

"Rückblickend war das eine sehr gute Entscheidung", so Pressewart Stefan Hafermehl, "daher war eine Aufgabe der Station am Eicher See und eine Rückkehr an den Erlensee auch nach der Anfrage der Gemeinde Bickenbach 2020 nie ein Thema." Ergänzend sagt Bernd Spieß: "Die Wasserrettungsstation am Eicher See hat letztlich das Überleben der DLRG in Pfungstadt nach der Schließung des Pfungstädter Schwimmbads gesichert und auch in der Corona-Krise eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Vereinsbetriebs gespielt." Er verweist dabei auf Aktivitäten wie das Freiwasser-Training für Rettungsschwimmer, Kinder- und Jugendübernachtungen an der Station und das Sommerzeltlager der DLRG-Jugend welches dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie an der Wasserrettungsstation stattfindet. Auch sei das Engagement der DLRG stets langfristig und auf Verlässlichkeit ausgelegt, so sei man ja auch über 35 Jahre am Erlensee vor Ort gewesen. Man habe im letzten Jahr mit viel Sympathie die Überlegungen zur Wiedereinrichtung einer Wasserrettung am Erlensee beobachtet und sei auch mit der Gemeinde Bickenbach im Gespräch gewesen. "Allerdings sind zwei Wasserrettungsstationen gleichzeitig für eine kleine Ortsgruppe nicht zu betreiben," erläutert Hafermehl, "wir haben daher über den DLRG Bezirk Darmstadt-Dieburg eine Anfrage an die umliegenden DLRG-Gruppen gestellt." Leider habe sich keine DLRG-Gruppe für den Wasserrettungsdienst am Erlensee gefunden. "Die umliegenden DLRG-Gliederungen sind hauptsächlich auf Schwimmausbildung, Rettungssport und Wasserrettung in Freibädern fokussiert - da war es sehr schwierig," so Hafermehl.


Taucher der DLRG Pfungstadt gehen letztmalig 2006 im Erlensee auf Tauchstation

Wichtiger Schritt in die richtige Richtung für den Erlensee

Da sich keine andere DLRG Ortsgruppe gefunden hat und auch die Pfungstädter Lebensretter hier keine Kapazitäten zur Stellung eines Dienstes haben, ist die DLRG Pfungstadt sehr froh, dass sich trotzdem eine Lösung gefunden hat. "Grundsätzlich hilft jede Wache vor Ort das Schwimmen sicherer zu machen und im Notfall Menschenleben zu retten. Da ist es ja egal von welcher Hilfsorganisation diese betrieben wird", sagt Dirk Kopp als Einsatzleiter der Pfungstädter DLRG und ergänzt: "daher haben wir der JUH im vergangenen Jahr bereits die Unterstützung in Sachen Ausbildung und Material angeboten. Leider gab es keine Rückmeldung - nach unserer Kentniss war die JUH aber mit anderen DLRG-Gruppen zwecks der Rettungsschwimmausbildung in Kontakt." Kritisch sehen die Lebensretter aus Pfungstadt die geplante Ausstattung vor Ort ohne feste Station, Boot und weitere Rettungsgeräte. Bei der Größe der Wasserfläche sind Hilfsmittel aus Sicht der DLRG zur Wasserrettung unerlässlich. "Würde man eine entsprechende Analyse und ILSE-Zertifizierung der Wasserrettung vor Ort anstreben, wäre ein Boot vor Ort und ein Rettungsbrett vermutlich zwingend als Ausstattung erforderlich. Denn das Anrücken und zu-Wasser-Bringen des Feuerwehrboots aus Bickenbach dürfte zeitlich ca. 15 Minuten dauern. Das ist für eine erfolgreiche Wasser-Rettung einfach ein zu langer Zeitraum", sagt Kopp.

"Dennoch ist es ein wichtiger Schritt für den Erlensee und die Sicherheit im Wasser insgesamt, dass die JUH dort eine Wache einrichtet", freut sich Ortsgruppenleiter Bernd Spieß.

Information für Mitglieder: Die DLRG Pfungstadt hat 2006 im Rahmen einer außerordentlichen Jahresversammlung alle Bezüge zur Wachstation Erlensee und einem Stützpunkt in Bickenbach aus der Satzung gestrichen. Dies war notwendig, um eine neue Station am Eicher See aufbauen zu können.

Aus dem Archiv

Hintergründe und Informationen zur Einstellung des Wasserrettungsdienst am Erlensee 2006

Bilder-Galerie vom Rückbau der Wasserrettungsstation Erlensee 2006